Erfolgreiches HelpCamp am 2. und 3. März im FabLab Kamp-Lintfort

Hilfsmittel für Menschen mit Beeinträchtigungen aus dem 3D-Drucker
INNOVATIONSFORUM HELPCAMPS: MENSCHEN MIT BEEINTRÄCHTIGUNG, MAKER UND HILFSMITTELHERSTELLER ZUSAMMENBRINGEN
„Es ist ein bisschen wie Online-Dating“, schmunzelt Isabelle Dechamps vom Berliner Verein be able, als sie die bisherigen Ergebnisse ihres Entwick-lungsteams „Online-Plattform für Hilfsmittelprojekte“ vorstellt. Die Diplom-Designerin ist eine von etwa 100 Teilnehmenden des Innovationsforum HelpCamps im FabLab der Hochschule Rhein-Waal in Kamp-Lintfort. Zwei Tage lang stellten sich Initiativen, Projekte und Start-ups in Fachvorträgen vor und zeigten, was mit Hilfe digitaler Fertigungsverfahren wie dem 3D-Druck in Sachen Hilfsmittelversorgung alles möglich ist.
Daneben konnten die Teilnehmenden in verschiedenen Workshops selbst ausprobieren wie beispielsweise 3D-Scanning und 3D-Modelling funktionieren oder sie konnten einfache Hilfsmittel wie Beleuchtungselemente für den Rollstuhl und elektrische Taster bauen. Auch ein Hackathon war Teil des Innovationsforums. Bei diesem offenen Entwicklungsevent trafen sich verschiedene Teams, um innerhalb der beiden Veranstaltungstage an konkreten Alltagserleichterungen zu arbeiten. Die Tüftler entwickelten Ideen weiter, die beim HelpCamp Ende Dezember 2017 entstanden waren.
Ideen: Online Plattform, Browser-Erweiterung & Handprothese


                                                                                                                       Ein FabLab bietet unzählige Möglichkeiten der digitalen Fertigung. Adriana Cabrera                                                                                                                         (FabLab Kamp-Lintfort/HSRW), Cinderella Glücklich (HelpCamps),
                                                                                                                       Niels Lichtenthäler (HelpCamps) & Prof. Dr. Karsten Nebe (FabLab Kamp-Lintfort/HSRW)
                                                                                                                       präsentieren einige der im FabLab gefertigten Hilfsmittel:
                                                                                                                       eine Handorthese, einen orthopädischen Schuh und den Schaft einer Beinprothese.

Eine davon ist die Online-Plattform, die Menschen auf der Suche nach individuellen Hilfsmitteln und Maker, die über Technik-Know-how verfügen, zusammenbringen soll. Eine andere Gruppe entwickelte eine Open Source-Erweiterung für den Internetbrowser, die Bilder auf Webseiten automatisch erkennt und für blinde oder sehbehinderte Menschen beschreibt. Bisher ist das mit Bildschirmlesegeräten nicht möglich. Ein drittes Team beschäftigte sich mit der Frage, wie man eine „Handprothese to go“ für eine Teilnehmerin ohne Unterarme fertigen könnte. Die Schwierigkeit hier: normalerweise wird das Ellenbogengelenk benötigt, damit die Prothese beim Tragen nicht verrutscht. Wie könnte man die Prothese also befestigen, auch wenn kein Gelenk vorhanden ist? Teammitglied Lars Thalmann ist zuversichtlich: „Unsere Ideen werden wir jetzt zu Papier bringen, designen und dann in einzelnen Versionen umsetzen“, erklärte der Maschinenbauer und Gründer des Maker-Vereins e-NABLE.


Zwischen den Vorträgen und Workshops finden

intensive Gespräche zwischen den Teilnehmerinnen und Teilnehmern
Mit ihrer Suche nach einer passenden Lösung unterstützten die Teammitglieder das Ziel des Innovationsforum HelpCamps, Menschen mit Beein-trächtigung, Maker mit 3D-Druck-Expertise, Wissenschaftler, Orthopädie-Techniker, Hilfsmittelunternehmen sowie Interessierte aus ganz Deutschland zusammenzubringen. Gemeinsam entsteht erstmals ein bundesweites Netzwerk, das neue Wege sucht, um Alltagshilfen leichter, schneller und günstiger zu produzieren.
„Neben verschiedenen anderen Fertigungsverfahren ist der 3D-Druck eine Möglichkeit, computergenerierte Modelle zu erzeugen, die man anders vielleicht gar nicht herstellen kann,“ erklärt Prof. Dr. Karsten Nebe, Leiter des FabLabs an der Hochschule Rhein-Waal, die zunehmende Bedeutung der Technik für Hilfsmittelnutzer. Der Zugang zu diesen Technologien werde durch FabLabs (engl. für „fabrication laboratory“) und Maker-Spaces immer einfacher, betonte er. Dabei handelt es sich um Werkstätten, die mit hoch-moderner Technik wie beispielsweise 3D-Druckern, Lasercuttern und Fräs-maschinen ausgestattet sind. Mehr als 500 solcher Werkstätten und weiterer Kreativorte stehen Interessierten deutschlandweit mittlerweile offen.
HelpCamps geht weiter – 2. Innovationsforum für 2019 geplant


Niels Lichtenthäler, Projektleiter bei HelpCamps,           Prof. Dr. Karsten Nebe beim Innovationsforum HelpCamps

eröffnet das Innovationsforum HelpCamps
Zu den anderen Projekten, die auf dem Innovationsforum HelpCamps wei-terentwickelt wurden, gehören unter anderem ein rotierendes Küchenregal, sodass Geschirr und andere Kochutensilien immer auf Augenhöhe verfüg-bar sind, ein schwenkbarer Taschenhalter für den Rollstuhl, eine Halterung am Elektrorollstuhl für eine Computer-Augensteuerung, ergonomisch geformte Gehstock-Griffe aus dem 3D-Drucker sowie Notrufsysteme in Textilien.
In den kommenden Wochen wird die weitere Arbeit der einzelnen Entwicklungsteams auf der Webseite www.helpcamps.de dokumentiert. Auch die Netzwerkarbeit wird fortgesetzt. Ein weiteres Innovationsforum HelpCamps ist für 2019 geplant. Zusätzlich entsteht in den kommenden drei Jahren im Projekt „Emscher-Lippe4“ am Standort Bottrop eine regionale Anlaufstelle. In einer offenen Werkstatt können Interessierte dann vor Ort Hilfsmittel und innovative Produkte gemeinsam mit und für Menschen mit Beeinträchtigungen entwickeln.
Projekthintergrund
Das Projekt „HelpCamps“ verbindet Menschen mit Beeinträchtigung, sogenannte Maker, die sich in ihrer Freizeit mit Technik, 3D-Druck & Co beschäftigen, kleine und mittlere Unternehmen der Hilfsmittelwirtschaft, Wissenschaftler und weitere Interessierte miteinander, um auf Augenhöhe Lösungen für schnell produzierbare, günstige und vor allem individuelle technische Hilfsmittel sowie Alltagshilfen zu entwickeln. „HelpCamps“ wird gefördert durch die Initiative „Innovationsforen Mittelstand“ des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF).
Zu den Netzwerkpartnern gehören das FabLab der Hochschule Rhein-Waal in Kamp-Lintfort, die Bundesfachschule für Orthopädie-Technik in Dortmund, das FabLab der Hochschule Ruhr West, das Projekt „SELFMADE“ der Technischen Universität Dortmund, das Berliner Kreativkollektiv be able e.V, das FabLab Münster, die 3D-Druckblogs Makershelpcare.de und three-dom.de, das E-Health-Unternehmen Serapion sowie das VitalCentrum HODEY und der Rollstuhlspezialist Schmicking.
Im gesamten Projektverlauf setzt „HelpCamps“ auf Beteiligung! Die Beratungsfirma matrix GmbH & Co. KG mit Sitz in Düsseldorf organisiert und begleitet das Vorhaben methodisch – die inhaltliche Gestaltung steht den Teilnehmenden offen.

 

Fotos: HelpCamps

Erfolgreiches HelpCamp am 2. und 3. März im FabLab Kamp-Lintfort